Loustal (Jacques de)

 

Loustal *1956 in Neuilly-sur-Seine

David Hockney, Amedeo Modigliani, Henri Matisse, Hans Hillmann - kann man diese Künstler im selben Atemzug mit einem Comiczeichner nennen? Die Zeitschrift Reddition und Andreas C. Knigge haben damit keine Probleme - was wieder einmal nahelegt, daß Comic und Kunst durchaus Schnittstellen haben.

Während seines Architekturstudiums hat er erste Arbeiten bei "Cyclone" und "Rock and Folk" veröffentlicht. Dabei lernt er Philippe Paringaux kennen, mit dem er ab 1980 (extrem erfolgreich) zusammenarbeitet. Daraus entstehen u.a. die in "New York, Miami" zusammengefaßten Kurzgeschichten und die Alben "Coeurs de sable" (Verwüstete Herzen), "Barney et la note bleue" (Besame mucho) und "Un jeune homme romantique" (Ein romantischer Kerl). Die Texte von Paringaux sind dabei sehr knapp gehalten und streng von den Bildern getrennt, so daß die atmosphärische Wirkung von Loustals Zeichnungen erhalten bleibt. 1983 absolviert Loustal seinen Militärdienst in Marokko.

Er verarbeitet die dort gewonnenen Eindrücke in "Zenata Plage" und findet durch das Experimentieren mit Aquarell- und Gouache-Farben zu seinem eigenen, ausdrucksstarken Stil. Die Hitze der Wüste, die Atmosphäre einer Abendgesellschaft, die Unpersönlichkeit eines Ferienhotels fangen den Leser ein und lassen ihn bis zur letzten Seite nicht mehr los, ebenso wie die sorgfältig gezeichneten Charaktere. In letzter Zeit erschienen auf dem deutschsprachigen Markt die Alben "Kid Kongo" und "White Sonya".

In Frankreich illustriert er weiterhin Krimis von George Simenon, veröffentlicht einen neuen Band mit Kurzgeschichten bei Casterman und stellt seine Werke für Ausstellungen in Prag und Paris zur Verfügung.

 

 

"Wie Schuiten hatte auch bereits Jacques de Loustal (* 1956) für Pilote und Metal Hurlant gezeichnet, bevor er zusammen mit Philippe Paringaux (* 1944) als Autor 1994 die beeindruckende Cornic_Erzählung Coeurs de Sable (Verwüstete Herzen) veröffentlichte. Loustals Zeichnungen erinnern an den satten Pinselstrich Hans Hillmanns und die Lichtreflexionen David Hockneys und wirken wie Momentaufnalinien, in denen die Bewegung eingefroren zu sein scheint.

Konsequenterweise werden die Bilder, die die Gefuhlslandschaften der Protagonisten präzise in deren Umweit spiegeln, nur von knapp gehaltenen Erzähltexten begleitet; viele fangen die jeweilige Stimmung sogar so intensiv ein, daß sie ganz ohne Text auskommen. Loustal illustriert das vorgegebene Szenario nicht, sondern er ergänzt es durch eine kluge Wahl von Perspektiven und Bildausschnitten.

Diese oft fast magisch antnutende Verschmelzung von Text und Zeichnung perfektionierten Paringaux und Loustal 1987 in ihrem Album Barney et la Note Bleue (Besame Mucho), das sich dem gleichenThema widmet wie der gleichzeitig entstandene Film «Uni Mitternacht» von Bertrand Tavernier und das mindestens ebenso schön ist. Erzählt wird hier die Geschichte von Barney, einem Jazzmusiker im Paris der fünfziger ).ihre, seinem musikalischen Aufstieg und persönlichen Fall, der begleitet wird von Realititsflucht, dein Kampf gegen die Drogen und Gefühlskälte und die ihn langsam verzehrende Einsamkeit:

Wenn Barney in Gesellschaft ist, steht er meist im Mittelpunkt des Geschehens. Dann folgen Szenen, die eine menschenleere Straße oder die Dächer einer Stadt zeigen, und schließlich ist Barney allein; dann befindet er sich meist ganz am Bildrand, und seine Verlorenheit wird durch sorgfältig plazierte Details _ ein überfüllter Aschenbecher, ein halb ausgetru nkenes Glas, ein paar abgestreifte Schuhe oder ein in der Ecke stehender Koffer - unterstrichen."